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20.04.11

SBB Cargo International ist auf einem guten Gleis

MichailStahlhut 231x300 SBB Cargo International ist auf einem guten GleisMichail Stahlhut, CEO von SBB Cargo International, beleuchtet in seinem Gastbeitrag den erfolgreichen Start des Unternehmens zum Jahresbeginn 2011. Michail Stahlhut besitzt eine langjährige und fundierte Erfahrung im Eisenbahngüterverkehr. Er war seit 2006 Vorstand der Osthannoverschen Eisenbahnen AG und wurde 2008 mit dem Anteilserwerb durch Arriva zum Geschäftsführer Technik der Arriva Deutschland GmbH. In dieser Funktion verantwortete er den Ausbau des Cargogeschäfts, die Werkstätten sowie die Infrastruktur. Zuvor hatte er für eine private Firma ein Eisenbahnverkehrsunternehmen aufgebaut und leitete bei der Railion AG den Cargobahnhof Mannheim.

Vor genau dreieinhalb Monaten hat das Eisenbahnverkehrsunternehmen SBB Cargo International, das sich auf das Fahren von Ganzzügen und Zügen des Kombinierten Verkehrs (KV) auf der europäischen Nord-Süd Achse zwischen Deutschland und Italien fokussiert, offiziell seinen Betrieb aufgenommen. Und heute kann ich sagen: Der Start ist gelungen, wir befinden uns auf einem guten Gleis.

Für das Jahr 2011 haben wir insgesamt 30.000 Züge eingeplant, das sind knapp 700 pro Woche. Bereits Mitte Januar erteilte uns der niederländische Kombi-Carrier ERS Railways den Zuschlag für ein umfassendes Transportpaket zwischen Basel und Italien, seine bisherigen Containertransporte wurden um 270 auf insgesamt 1.350 Züge pro Jahr erhöht. Das wirtschaftliche Umfeld ist seit einiger Zeit wieder besser, vor allem die grossen Containerströme aus den Nordseehäfen Richtung Italien geben zu Optimismus Anlass. Als Tochterunternehmen von SBB Cargo und des europäischen Kombi-Operateurs Hupac ist es unser gemeinsames Ziel, ein starkes, marktnahes und neutrales Traktionsunternehmen aufzubauen und zu entwickeln.

Wir stellen uns dafür von A bis Z schlank und flexibel auf und konzentrieren uns auf das Wesentliche: Grosse Volumen auf der Nord-Süd-Achse zu fahren. Kernelement unserer Unternehmensstrategie ist die Erhöhung der Produktivität. Dies erreichen wir über ein vertaktetes Produktionssystem mit hohen Lokumläufen sowie über die Konzentration auf aufkommensstarke Relationen. Ein möglichst hoher Automatisierungsgrad – vergleichbar mit der Autoindustrie, wo man die wiederkehrenden Prozesse auch automatisiert – verhindert Standzeiten der Lokomotiven sowie Wartezeiten beim Personal. Durch diese Produktivitätssteigerung stärken wir die Wettbewerbsfähigkeit der Güterbahn gegenüber der Strasse. Und davon profitiert der gesamte KV-Markt in Europa.

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18.04.11

Green Logistics – Neue Perspektiven für die Schiene

Prof. Dr. Paul Wittenbrink Green Logistics – Neue Perspektiven für die Schiene

Prof. Dr. Paul Wittenbrink lehrt Transport und Logistik an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, führt wissenschaftliche Untersuchungen durch und berät Transport-/Logistikunternehmen in der Strategieentwicklung. Zuvor war er von 2004 bis 2006 Mitglied der Geschäftsleitung der SBB Cargo AG. Sein Gastbeitrag, zu dessen Thema er auch gerade eine Veranstaltung für den Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) moderiert hat, beschäftigt sich mit den Chancen der grünen Logistik.

Nicht erst seit Fukushima steht der effiziente Umwelt- und Ressourceneinsatz ganz oben auf der Agenda. Dabei werden die notwendige Energiewende und die damit verbundene Steigerung der Energieeffizienz nur dann gelingen, wenn auch der Verkehr einbezogen wird, macht dieser doch ca. 15-20 % der weltweiten CO2-Emissionen aus. Insofern ist es auch nicht erstaunlich, dass auch das Thema „Green Logistics“ erheblich an Bedeutung gewonnen hat.

Nach einer Umfrage der Dualen Hochschule Baden-Württemberg spielt das Thema „Green Logistics“ für 2/3 der befragten Unternehmen eine wichtige Rolle. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, was die Gründe hierfür sind. Hier antworten die Unternehmen, dass die CO2-Emissionen zwar heute noch kein bedeutender Kostenfaktor sind (33 %), sich dies jedoch in Zukunft ändern wird (56 %). Insofern will man sich schon heute auf mögliche Kostensteigerungen in der Zukunft vorbereiten.

Entscheidend ist für die Logistiker aber auch der Kundenwunsch. Drei Viertel der Unternehmen geben als Grund für ihre Umweltschutzaktivitäten ein steigendes Umweltbewusstsein der Kunden an. Umweltschutz entwickelt sich somit zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor. Wichtig sind aber nicht nur die Kunden. Auch schon aufgrund des steigenden Umweltbewusstseins der Bevölkerung ist es für das Image des eigenen Unternehmens wichtig, sich mit dem Thema intensiv zu beschäftigen (85 %).

Green Logistics baut auf drei wesentlichen Pfeilern auf. Verkehr vermeiden, vermindern und verlagern. Der ressourcenschonendste Verkehr ist der, der gar nicht erst stattfindet. Insofern ist in Zukunft z.B. eine noch stärkere Bündelung gefragt, Lagerhaltung gewinnt wieder an Relevanz und Expressfahrten kommen auf den Prüfstand. Darüber hinaus müssen die Logistikanlagen sehr viel mehr auf ihre Energieeffizienz hin überprüft werden. Im Hinblick auf die Verminderung bestehen bei allen Verkehrsträgern noch erhebliche Potenziale, zumal bei den bisherigen Normen der Energieverbrauch und damit die CO2-Emission eine untergeordnete Rolle spielte.

Ein zentraler Ansatzpunkt liegt schliesslich in der Verlagerung auf umweltfreundliche Verkehrsträger, insbesondere die Schiene. Dies wird umso wichtiger, da für den Lkw-Fernverkehr, im Gegensatz zum Pkw- und Verteilverkehr bisher keine Alternative zum Verbrennungsmotor, z.B. durch den Einsatz von Elektrofahrzeugen, absehbar ist.

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14.04.11

Eine Lok fliegt durch die Luft

xavier bellprat 150x150 Eine Lok fliegt durch die LuftErstmals wird der Stand der Schweizer Güterbahn auf der weltgrössten Logistikmesse von Bellprat Associates geplant und realisiert. Im Pitch gegen mehrere Mitbewerber hat sich das Züricher Atelier für Konzeption, Design und Realisation von Messen, Ausstellungen, Events sowie Markenwelten mit einem überraschenden Kreativkonzept durchgesetzt. Firmenchef Xavier Bellprat, diplomierter Architekt an der ETH Zürich und Urban Designer, erläutert in zwei Gastbeiträgen die Überlegungen dazu. Hier der 2. Teil:

Stellen Sie sich vor, Sie kommen auf den Messestand von SBB Cargo und da fliegt irgendwie eine Lok durch die Luft. Sie wollen sie greifen und sie können es nicht tun. Dann ist sofort die Frage da: Was geht hier eigentlich vor? Wer hat das gemacht? Und schon ist die Neugier geweckt und der Dialog kann beginnen. Das ist unsere Strategie: Wir wollen über ein kleines Erlebnis bei jedem Exponat den Einstieg für ein Gespräch schaffen.

So zeigt ein Globus, der durch geschickte optische Täuschung einen Durchmesser von fünf Metern zu haben scheint, tausende Produkte, die von SBB Cargo in der Schweiz im Wagenladungsverkehr täglich befördert werden. Eine andere Installation symbolisiert den kombinierten Verkehr, in dem ein Auto- und ein Containerzug immerzu durch den Raum fahren. Dabei zählt ein Lautsprecher die Bahnhöfe in verschiedenen Ländern auf, die von der neuen Tochterfirma SBB Cargo international angefahren werden. Die auf den Transport von Mineralöl und Chemieprodukten spezialisierte Tochter ChemOil stellt sich mit einem schwebenden Tankwagen dar – so eine Art  Hologramm. Und auch der Bereich Asset Management der Schweizer Güterbahn präsentiert sich magisch: In einem Schaukasten sieht der Betrachter einen verschmutzten Güterzug, der in eine Bahnwerkstatt hineinfährt und bei der Ausfahrt – wie durch Zauberhand – plötzlich sauber ist. Als zusätzliches Element wird der Tunneldurchstich der Neuen Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT) in einem Rund-um-Kino mit Computeranimationen und Livebildern gezeigt.

Neben diesen Exponaten im 400 Quadratmeter großen Stand am Gleis 1/4 auf dem Freigelände, der auch eine Lounge und ein Aussenterasse enthält, haben wir in diesem Jahr erstmals auch einen „Wegweiser“ in der Halle B6, Stand 403. In den übereinandergestapelten Cargo-Würfeln, in die man durch Sehschlitze hineinschauen kann, laufen Filme zu den Geschäftsfeldern des Unternehmens unmittelbar vor den Augen der Betrachter ab und ziehen sie in ihren Bann. Wir spielen hier etwas mit der Neugier der Messebesucher und wollen sie so auf den Hauptstand hinweisen. Insgesamt sollen die Gäste emotional berührt werden, denn nur dadurch bringt man heute noch einen Kommunikationsprozess in Gang. Ich bin davon überzeugt, dass uns das mit unserem Gesamtkonzept gelingen wird und ganz gespannt auf Ihre Reaktion. Schreiben Sie dazu hier im Kommentarfeld Ihre Meinung oder auch Ihren ganz persönlichen Eindruck, wenn Sie das Ergebnis unserer Arbeit bereits gesehen haben.

Im offiziellen Messevideo ist auch kurz der SBB-Cargo-Stand von 2009 zu sehen.

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13.04.11

Der neue Messesstand von SBB Cargo auf der transport logistic 2011

xavier bellprat 150x150 Der neue Messesstand von SBB Cargo auf der transport logistic 2011Erstmals wird der Stand der Schweizer Güterbahn auf der weltgrössten Logistikmesse von Bellprat Associates geplant und realisiert. Im Pitch gegen mehrere Mitbewerber hat sich das Züricher Atelier für Konzeption, Design und Realisation von Messen, Ausstellungen, Events sowie Markenwelten mit einem überraschenden Kreativkonzept durchgesetzt. Firmenchef Xavier Bellprat, diplomierter Architekt an der ETH Zürich und Urban Designer, erläutert in zwei Gastbeiträgen die Überlegungen dazu. Hier der 1. Teil:

Das Publikum in multimediale Räume eintauchen lassen und ihm mit Architektur und Design, mit Licht und Klang, mit Film und Theater, mit Objekten, Bildern und Grafik Geschichten erzählen – darin besteht die Kunst, Themen aufzubereiten und massgeschneidert zu vermitteln. Dabei werden integrierte Formen der Kommunikation, bei denen der „Inhalt“ mit der „Verpackung“ verschmilzt, vom Betrachter besser angenommen. Für den Stand der Schweizer Güterbahn auf der transport logistic gab es nur eine Vorgabe: Alle Geschäftsfelder nach der Neustrukturierung des Unternehmens – SBB Cargo Schweiz mit dem Schwerpunkt Wagenladungsverkehr, SBB Cargo International, ChemOil und das Asset Management als interner Dienstleister – gemeinsam unter einem Dach zu präsentieren und als Marke sinnlich erlebbar zu machen.

c16 Ballons 500x312 Der neue Messesstand von SBB Cargo auf der transport logistic 2011

Unsere übergeordnete Idee für den neuen Messestand ist die eines unendlichen Raumes. Als ganz einfache Übersetzung des Gedankens, dass es der Geschäftszweck von SBB Cargo ist, Güter in einem geografischen Raum zu verschieben. Mit einer durchgängigen Verspiegelung der Wände im Inneren, die an die Laterna Magica erinnern, erreichen wir einen verblüffenden Effekt: Aus einem 50 Meter langen Raum entsteht vor dem Auge des Besuchers ein 5000-Quadratmeter-Raum, durch den verschiedene weisse Würfel fliegen. Die stehen sinnbildlich für die Güter, die transportiert werden. Innerhalb dieses großen Raums gibt es dann jede Menge von interaktiven Exponaten, die dann auf die vier Leistungsbereiche von SBB Cargo konkret eingehen. Diese lassen sich mit allen fünf Sinnen erfahren und zum Teil wirklich begreifen.

Unsere Devise ist dabei „Surprenez moi“ – überrascht mich. Denn wer den Besuchern einer solchen Ausstellung nur das übliche Menü serviert – etwa irgendwelche Bildtafeln, Vitrinen oder Flachbildschirme – erntet schnell ein Gähnen. Wir wollen die Messebesucher auf anspruchsvolle Art unterhalten. Wobei unser Stand nur die Requisiten bereitstellt. Entscheidend sind die Moderatoren – die Mitarbeiter von SBB Cargo, die den Besuchern anhand der Exponate spannende Geschichten erzählen und mit ihnen in den Dialog treten. Storytelling ist ein wesentliches Element unseres Gesamtkonzepts, das ja weit mehr als nur den Messestand beinhaltet.

Wie die Exponate auf dem diesjährigen Messestand im Detail aussehen, erfahren Sie im nächsten Gastbeitrag von Xavier Bellprat.

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12.04.11

Eine Nacht unterwegs mit dem Militärzug vom Rangierbahnhof Limmattal nach Chur

ANDREAS 150x150 Eine Nacht unterwegs mit dem Militärzug vom Rangierbahnhof Limmattal nach ChurAndreas Hobi ist Reisezugbegleiter bei der SBB und bloggt auf schweizweit.net über seine Arbeit und den öffentlichen Verkehr der Schweiz. Im Cargo-Blog wird er in den nächsten Wochen einige Gastbeiträge veröffentlichen.

Wer hätte das gedacht: Nach neun Jahren beim Personenverkehr der SBB verbringe ich mal einen Abend auf “fremden” Territorium, auf dem Rangierbahnhof Limmattal, der mehrheitlich von SBB Cargo genutzt wird. Der “RBL”, wie er von den Bähnlern genannt wird, ist einer der grössten und leistungsfähigsten Rangierbahnhöfe Europas und liegt zwischen Spreitenbach AG und Dietikon ZH. Genutzt wird er hauptsächlich von SBB Cargo, Besitzer ist aber die Division Infrastruktur.

Mancher Passagier hat auf seiner Zugfahrt von Zürich in Richtung Olten, Bern, Basel oder Biel schon über die Dimensionen dieses riesigen Rangierbahnhofs gestaunt. Oft werde ich als Zugbegleiter der SBB auch gefragt, welchem Zweck diese unzähligen Gleise dienen und wie so ein Rangierbahnhof denn genau funktioniere.

Auch ich kannte den RBL lange Zeit nur vom Vorbeifahren.

Bis zu jenem Tag im letzten Herbst, als es plötzlich hiess: Heute wirst du im RBL einen Militärzug mit Panzern und Soldaten holen und nach Chur begleiten. Eine Herausforderung, wie ich sie liebe.

Normalerweise verlasse ich mein Zuhause ungefähr 45 Minuten vor Arbeitsbeginn und habe dann im Zugpersonal-Depot in Chur eine halbe Stunde Zeit, mich auf die bevorstehende Tour vorzubereiten.

An diesem Tag aber war alles anders.

Es fing damit an, dass ich den spätesten Arbeitsbeginn meiner SBB-Karriere hatte: 20:08 Uhr. Für mich eine komplett neue Erfahrung! Vorallem, als ich zu Hause beim Nachtessen sass und immer daran denken musste, dass ich noch einen ganzen “Arbeitstag” vor mir habe.

Ausserdem verliess ich meine Wohnung nicht erst 45 Minuten vor Arbeitsbeginn, sondern ganze eineinhalb Stunden. Denn an diesem Tag wollte ich alles richtig machen. Im Depot angekommen, suchte ich im Intranet der SBB die Pläne des RBL heraus; auf dem Ausdruck markierte ich mein Gleis, auf welchem der Militärzug stehen wird. Ich zeichnete ein, welcher Weg am optimalsten ist, um vom Dienstgebäude des RBL zu “meinem” Zug zu gelangen. Ich suchte ausserdem den Fahrplan des Personalbuses heraus, mit dem ich mitten in der Nacht, kurz nach 23:00 Uhr von Dietikon zum RBL fahren würde.

Bepackt mit einem ganzen Mäppchen voller Unterlagen verliess ich meinen Heimatbahnhof Chur dann mit dem Interregio um 20:16 Uhr.

Im Hauptbahnhof Zürich hatte ich noch die Möglichkeit, mich mit einer Zwischenmahlzeit zu stärken, bevor es dann ernst galt.

Danach ging es mit der S-Bahn weiter nach Dietikon, wo der Personalbus auf mich wartete. Nach der kurzen Fahrt im Dienstgebäude angekommen ging ich zuerst zu einem Info-Monitor, um mich zu vergewissern, dass es nicht kurzfristig zu einer Gleisänderung gekommen ist. Dann nochmals eine Cola aus dem Getränkeautomat und los ging es zu Fuss zu meinem Gleis.

Hier wurde der aus Bure in der Westschweiz angekommene Zug getrennt: Ein Teil fuhr mit mir nach Chur, der andere anscheinend ins Glarnerland.

Mein Zugteil bestand aus drei Personenwagen voller schlafender Rekruten und ungefähr sieben Wagen von SBB Cargo mit Panzern und anderen Fahrzeugen des Militärs. Ich fand es sehr eindrücklich, solch einen Zug mal von der Nähe zu betrachten.

Als ich dann den Zug einmal angeschaut und abgelaufen habe, ging es darum, die Zugdaten zu erfassen. Schliesslich muss der Lokführer ja wissen, wie viele Wagen er hinter sich hat und wie schwer die sind.

Personenwagen zu erfassen, das stellt für mich keine grosse Herausforderung dar. So etwas mache ich täglich. Aber diese Güterwagen… Glücklicherweise habe ich mir zu Hause die Fahrdienstvorschriften und Unterlagen rund um Güterwagen nochmals gründlich angeschaut, so dass ich auch diese Herausforderung problemlos meistern konnte.

Nachdem ich mich mit dem Lokführer besprochen und die Zugdaten abgegeben hatte, fing für mich der gemütlichere Teil meiner Tour an.

Eigentlich besteht mein Job als “Reisezugbegleiter National” bei der SBB ja darin, die Fahrausweise der Reisenden zu kontrollieren, den Zug auf den Unterwegsbahnhöfen abzufertigen und den Komfort und die Sicherheit auf dem Zug zu gewährleisten.

Eine Kontrolle der Fahrausweise brauchte es auf diesem Zug nicht. Die Soldaten konnte ich also schlafen lassen. Abzufertigen brauchte ich den Zug auch nicht, schliesslich haben wir weder Unterwegsbahnhöfe noch ist es ein Personenzug im eigentlichen Sinne.

Und so begann dann unsere Reise nach Chur. Als Zug mit der Nummer 78103 fuhren wir zuerst vom RBL nach Dietikon. Eine Fahrt von gerade einmal vier Minuten. Dort ging ich dann um 00:15 Uhr nochmals zu einem Getränkeautomaten, um mir eine Erfrischung zu holen, als ich auf den Lokführer traf, der anscheinend auch Durst hatte. Er fragte mich: “Gell, mit .42 fahren wir weiter?”
“Ja, das ist richtig. Aber mit 01:42, nicht 00:42, das hast du sicher gesehen, oder?”
“Mit…? 01:42? Ok…”

Für uns beide war es ungewohnt, einfach mal eineinhalb Stunden mit dem Zug in einem Bahnhof herumzustehen. Langweilig wurde es uns dann aber doch nicht. Obwohl es mitten in der Nacht war, trieben sich ein paar Jugendliche auf dem Bahnhof herum und schienen Interesse gefunden zu haben an den Panzern. Also behielten wir die Jungs mal ein wenig im Auge. Nicht dass die Panzer in Dietikon noch eine komplett neue “Tarnfarbe” frisch aus der Sprühdose verpasst bekommen.

Ausserdem fiel in einem der drei Personenwagen noch die Heizung aus. Obwohl die Soldaten der “besten Armee der Welt” ja grundsätzlich hart im Nehmen sind, wurde es bald ungemütlich kalt. Also kümmerte ich mich auch noch um dieses technische Problem. Glücklicherweise war der Fehler rasch gefunden und die Soldaten tauten wieder auf.

Einige Zeit später war es dann so weit und wir konnten unsere Reise nach Chur in Angriff nehmen. Mit einen kleinen Umweg über Rapperswil und Uznach (wegen einer Baustelle zwischen Pfäffikon SZ und Ziegelbrücke) kamen wir dann kurz vor 04:00 Uhr in Chur an. Hier übergab ich den Zug auch sogleich den Rangiermitarbeitern, die für den Ablad der Fahrzeuge verantwortlich sind.

Schliesslich im Zugpersonal-Depot angekommen traf ich dann auch gleich auf die Kollegen von der Frühschicht. “Ah, hoi Andreas, auch schon wach?”

Mit einem Lachen sagte ich: “Auch schon, das tönt gut. Nein, bin immer noch wach. Und jetzt gehe ich nach Hause und schlafe ein paar Stunden.”

Und so ging eine spannende Nacht zu Ende.

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