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29.04.11

Auf einer Lok über den Gotthard mitfahren?

lammli Auf einer Lok über den Gotthard mitfahren?

Bruno Lämmli befährt seit 1991 als Lokführer bei SBB Cargo die Gotthard-Bahnstrecke durch die Alpen und schreibt hier im Blog mehrere Gastbeiträge.

Wer hat nicht schon davon geträumt, eine Fahrt im Führerstand einer Lokomotive über den Gotthard zu unternehmen? Doch solche Führerstandsmitfahrten im Güterzug sind ja nicht möglich, die Lokführer weigern sich und sonst gibt es doch keine Lösung zur Erfüllung dieses Wunsches. Oder?

Was für Sie so unerreichbar erscheint, ist für mich mein tägliches Brot und ich verdiene sogar mein Gehalt damit. Die Welt ist schon ungerecht, doch wer auf meiner Webseite schon einmal eine Tourbeschreibung gelesen hat, kann sich eine solche Fahrt sogar vorstellen.

Ihnen bleiben meist nur die Notlösungen mit Videos oder mit Filmen im Internet. Selbst Spiele gibt es. Ein Flugsimulator, einfach für Eisenbahnen. Der Gotthard darf dort natürlich nicht fehlen. Aber es gibt doch eine Möglichkeit, das alles auch live zu erleben: SBB Historic, eine Stiftung der SBB, bietet entsprechende Fahrten an.

Sie besteigen dazu zum Beispiel in Erstfeld einen Salontriebwagen und dann geht es los. Über den Gotthard im Führerstand, wovon Sie ja schon Jahre geträumt haben. Ihnen wird erklärt, was wo und warum so ist und manchmal hält der Triebwagen sogar noch an. Dann können Sie aussteigen und die Gegend geniessen. Wer weiss, vielleicht wissen Sie danach, wie oft ein Lokführer die Kirche von Wassen sehen kann?

Dumm dabei ist nur, dass der längste Halt mit Verpflegung mitten im Gotthardtunnel erfolgt. Dort, wo bereits früher – zu einer Zeit, wo es noch keine Computer und kaum Elektrizität gab – ein Bahnhof war. Die Tunnelstation diente schon damals der Steigerung der Leistung am Gotthard. Heute ist das längst Vergangenheit und die Züge werden vom Computer durch halb Europa gelenkt. Gefahren wird aber immer noch mit Lokführer und manchmal auch mit Gästen.

Nur einen Unterschied gibt es: Ich erhalte dafür mein Gehalt, Sie müssen bezahlen. Genau, damit mein Gehalt finanziert ist. Geniessen Sie also eine Fahrt im historischen Triebwagen von SBB Historic und wer weiss, vielleicht begegnet Ihnen unterwegs einer der Güterzüge von SBB Cargo. Vielleicht sogar meiner.

Manchmal wünsche ich mir allerdings sogar Tage, an denen ich nicht über den Gotthard fahren muss. Denn ein solcher Transport ist für den Lokführer nicht immer einfach. So verschieden kann dieselbe Tätigkeit, die Fahrt an der Spitze eines Zuges, sein.

Ach, da wäre ja auch noch die (leider schon ausverkaufte) Güterzugnacht am Gotthard in der nächsten Woche. Im Führerstand der Ae 6/6 11402 „Uri“ haben Sie in Begleitung eines erfahrenen Lokführers Einblick in die Traktion der schweren Güterzüge auf der Gotthard-Nordrampe. Vielleicht im nächsten Jahr, wenn Sie sich rechtzeitig anmelden.

Die Informationen zu den Fahrten finden Sie bei SBB Historic oder auf www.lokifahrer.ch.

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21.04.11

Ein dicker Brocken unterwegs am Gotthard

lammli.thumbnail Ein dicker Brocken unterwegs am GotthardBruno Lämmli, der seit 1991 als Lokführer bei SBB Cargo die Gotthard-Bahnstrecke durch die Alpen beinahe täglich befährt und unter http://www.lokifahrer.ch eine vielgelesene Webseite betreibt, hat mit seinen Erlebnissen bereits 2007 zum erfolgreichen Start des Cargo-Blogs beigetragen. Jetzt schreibt er wieder mehrere Gastbeiträge. Hier ist der Erste:

Als ich in den Medien las, dass die Strassentransporteure forderten, dass auf der Gotthardstrecke der 4-Meter-Korridor eingeführt werde, staunte ich nicht schlecht. In der rollenden Landstrasse von Lugano nach Basel konnte ich immer wieder hohe Lastwagen beobachten und so viel ich wusste, waren das beinahe 4 Meter. Klar, das ist nichts gegen den Transport, über den ich Sie nun informieren will.

In der Presse und im TV wurde sogar darüber berichtet, so speziell war der Transport. Ein Schwertransport sollte die Gotthardstrecke befahren. Darunter stellte ich mir viele LKW, mit einem speziellen Fahrzeug dazwischen vor. Solche Gefährte zwängen sich ja immer wieder durch die Strassen der Dörfer. Nur diesmal sollte ein solcher Schwertransport auf der Bahn erfolgen.

Beim Nachlesen erfuhr ich dann, dass ein mehrere hundert Tonnen schwerer Transformator durch den Gotthard gezwängt werden soll. Jetzt war klar, ein Transformator, nur schwer..? Bei Zügen, die weit über 1000 Tonnen schwer sein können, ist so ein Transport sogar noch leicht. Vielmehr würden die Abmessungen vermutlich zum Problem werden. Alles passt ja nicht durch die Tunnel, wie wir seit der Forderung der Verlader wissen.

Fachchinesisch bezeichnen wir das als Lademassüberschreitung. Eisenbahnen besitzen eine Umgrenzung. Die es ermöglicht Signale und Bahnsteige zu bauen. Dort passen Züge, die diese Umgrenzung nicht verletzen durch. Nur der Transformator tat das nicht. So dass daraus eine Lü-Sendung wurde.

Das führt dazu, dass der Transformator, der mit einem speziellen Wagen transportiert wurde, nicht überall ohne Probleme durch gehen würde. Diesellokomotiven sollten für ausreichend Zugkraft bei der ausgeschalteten Fahrleitung sorgen. Gefahren wurde dann, wenn es keine anderen Züge gibt. Klar, das waren die Nächte Sonntag/Montag, denn dann ruht auch am Gotthard der Güterverkehr.

So ging der Transport über den Gotthard. Die Ladung konnte seitlich verschoben werden. Bis zu 40 Zentimeter seitliche Verschiebung, damit dieser Transformator durch die Tunnel passte. Wie auf der Strasse, kann auch dann die Eisenbahn nicht schnell fahren. Die Arbeiten für das Personal waren sicher schwer, mussten doch alle Beteiligten harmonisch zusammenarbeiten.

Das Ziel war Lavorgo. Dort sollte der Transformator entladen werden. Ein Sondertransport, der noch dreimal wiederholt werden sollte. Immer mehr kannten die Leute so die Ecken, die kritisch sind. Nur, einfach drauflos ging natürlich nicht, denn jede Fahrt musste genau kontrolliert werden. So erreichte aber auch der letzte Transformator, Lavorgo und so sein Ziel, ganz.

Zum Schluss noch eine Verspätungsmeldung. Der Transport erfolgte mit wochenlanger Verspätung. Nicht, weil der Gotthard nicht bereit war, sondern einfach, weil die Schiffe nicht nach Basel fahren konnten. Blockierter Rhein und Eis auf dem Wasser behinderten das, was auf der Bahn pünktlich erledigt wurde. Den sicheren Transport einer ungewöhnlichen Last.

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01.06.07

Neuer Führerschein

Wer für Auto oder Motorrad einmal einen Führerschein hat, der darf ihn behalten, so lange er will.lammli Neuer Führerschein Vorausgesetzt, er hält sich an die Regeln des Straßenverkehrs. Das ist bei uns Lokführern anders. Alle fünf Jahre müssen wir die so genannte „periodische Prüfung“ bestehen. Und wer die auch im zweiten Anlauf nicht schafft, der darf nicht weiter auf der Lok fahren – so streng sind da die Vorschriften. Aber nur so wird erreicht, dass alle Lokführer immer auf dem neuesten Stand sind.

Und nicht auszudenken, was passieren könnte, wenn mal ein Kollege eine neue Regelung nicht kennt. Na, ja, die Vorschriften, die täglich zu beachten sind, die kennt jeder im Schlaf. Heikler wird es, wenn es um völlig unvorhersehbare Störungen geht. Aber da helfen nicht nur Vorschriften, sondern auch ein gutes Reaktionsvermögen und schnelle Entscheidungen. Zum Glück habe ich in meiner Berufslaufbahn so etwas noch nicht erleben müssen.

Ihr Lokifahrer Bruno Lämmli

zum Beitrag von gestern

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