12.05.09

Interview mit Nicolas Perrin: Flexibel durch die Krise

Unsere kleine Interview-Serie schließen wir mit Nicolas Perrin ab. Der CEO von SBB Cargo beantwortet zum heutigen Start der transport logistic 2009 in München einige Fragen zur aktuellen Wirtschaftslage.

Herr Perrin, SBB Cargo hat durch den weltweiten Konjunktureinbruch auf der strategisch wichtigen Nord-Süd-Strecke im 4. Quartal 2008 gut 20 Prozent des Transportvolumen verloren. Können Sie uns schon etwas zu den Zahlen im ersten Quartal 2009 sagen?

Nicolas Perrin: Im ersten Quartal 2009 setzte sich die negative Konjunkturentwicklung in allen Bereichen leider mit unverminderter Wucht weiter fort. Auf der Nord-Süd Achse verkehrten 19 Prozent weniger Züge als im gleichen Zeitraum 2008. Der Wagenverkehr im Export verzeichnete einen Rückgang um 27 Prozent, die Importverkehre schrumpften um 11 Prozent. Und im Schweizer Binnenverkehr gingen die Verkehre ebenfalls um 12 Prozent zurück.

Wie reagiert SBB Cargo darauf?

Nicolas Perrin: Wichtig war für uns, sich frühzeitig vorausschauend auf einen länger anhaltenden Volumenrückgang einzustellen und die Kapazitäten gezielt herunterzufahren. So haben wir bereits beim letzten Fahrplanwechsel auf der Nord-Süd-Achse zehn Zugspaare gestrichen und die Kapazität um 20 Prozent gesenkt.

Damit wird verhindert, dass die Fracht fehlt, aber die Kosten dennoch anfallen. Auch den Leistungseinkauf bei Dritten haben wir deutlich verringert, mehrere hundert Güterwagen gingen an die Vermietgesellschaften zurück. Ältere Loks wurden teilweise stillgelegt und eingemottet, Lokführer werden auf Zeit im Personenverkehr eingesetzt.

Was ist Ihre Prognose für 2009?

Nicolas Perrin: Die Entwicklung in den kommenden Monaten ist schwer abschätzbar. Deshalb bewerten wir jetzt mit unseren großen Kunden monatlich die aktuelle Situation. Insgesamt erwarten wir, dass die wirtschaftliche Lage 2009 angespannt bleiben und sich frühestens im kommenden Jahr verbessern wird. Unser Ziel ist es deshalb, während der Konjunkturflaute die Kapazitäten aktiv zu steuern und frühzeitig der geringeren Nachfrage anzupassen. Gleichzeitig nutzen unsere Kundenteams aber auch alle Chancen, um von bestehenden und neuen Kunden zusätzliche Transportvolumen zu gewinnen. Denn wenn die Konjunktur wieder anzieht, wollen wir gerüstet sein.

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